Besser ohne

Mehr Sport machen, mit dem Rauchen aufhören, gesünder essen — wer kennt nicht die guten Vorsätze? Hier meine Top 8 der Gewohnheiten, denen ich endlich „Lebewohl“ sagen möchte.

Ausreden-Automatismus

Kennst du auch diese leise Stimme, die in deinem Hinterkopf schon Begründungen sammelt, wenn dir etwas Unangenehmes passiert ist? Oder die dir schon während der Frage deines Gegenübers die passende Ausrede einflüstert? Mir rutscht manchmal so schnell ein „Sorry, Stau!“ über die Lippen, dass ich fast selbst daran glaube, die Verspätung könne sicherlich nichts mit meiner Trödelei zu tun haben. Manchmal erwische ich diese Stimme dabei, wie sie sich die Dinge passend hindreht. Für mich ein gutes Zeichen — nicht das Hindrehen, sondern dass ich es inzwischen immer öfter durchschaue.

Fehler-Faible

Im Job ist diese Eigenschaft für mich absolut notwendig, im Privaten stört sie gewaltig — zumindest mein Umfeld. Wo immer mir Tippfehler, ein falsch gesetztes Komma oder ähnliche sprachliche Feinheiten auffallen, bekommen es meine Mitmenschen zu hören. Ich habe mich schon dabei ertappt, die Speisekarte korrigieren zu wollen. Einen Stift hat man als Journalist ja immer griffbereit, manchmal sogar einen roten. Peinlich finden das die Nebensitzer. Wohl zu recht. Und bei den Verbesserten sammelt man damit meist auch keine Pluspunkte. Also soll in Zukunft nur noch beruflich der Rotstift ran.

Gewohnte Gewöhnlichkeit

Früher dachte ich, es sei gut, durchschnittlich zu sein. Nicht aufzufallen, keinen vor den Kopf zu stoßen. Vielleicht weil ich der Meinung war, dass es mir nicht zusteht, etwas Besonderes zu sein oder ich nicht überheblich wirken wollte. Heute ist mir klar, dass jeder Mensch einzigartig ist. Und Einzigartigkeit kann nie gewöhnlich sein. Also kann ich meine Talente und Gaben auch als solche sehen — und ebenso die Besonderheiten anderer anerkennen. Ganz ohne zu Vergleichen oder gegeneinander aufzuwiegen. Ich will nicht sein wie andere, sondern ganz ich. Und da gibt es noch viele einzigartige Facetten zu entdecken.

Habe horten

„Mit leichtem Gepäck“ reisen Silbermond seit einigen Monaten durch die Charts. Und das ist etwas, was auch ich in meinem Leben mehr und mehr umsetzten will. Doch irgendwie lässt sich sogar in kürzester Zeit in einer kleinen 1,5 Zimmer-Wohnung erstaunlich viel ansammeln. Das musste ich beim Packen der Umzugskisten für Bonn wieder feststellen. Nachdem jetzt vieles den Besitzer gewechselt hat und die restliche Habe überschaubar geworden ist, soll es auch so bleiben.

Kontroll-Krampf

Wir Deutschen gelten als einzigartig in unserem Wunsch, uns gegen alles und jeden zu versichern. Wir haben immer einen Plan B in der Tasche, am besten sogar noch Plan C, D,… Nur zur Sicherheit. Kann ja nicht schaden, oder? Bei mir ist die Konsequenz allerdings nicht, dass ich mich sicherer fühle, sondern dass die Gedanken ständig darum kreisen, was noch alles schief laufen könnte. Und mal ehrlich, das Leben ist einfach unberechenbar, auch wenn wir gerne alles unter Kontrolle hätten.

Nutzlose Neutralität

Ich wollte lange Zeit neutral sein, andere mit ihren Ansichten und Meinungen stehen lassen. Schließlich hat jeder das Recht darauf. Inzwischen ist mir aber klar geworden, wie wichtig es ist, Position zu beziehen und auch öffentlich dazu zu stehen. Denn leider werden nicht immer die Stimmen gehört, die vernünftig und reflektiert sind, sondern die besonders lauten und penetranten. Diesen nicht das Feld zu überlassen, ist Aufgabe jedes Einzelnen. Also auch meine — ob mir das in den Kram passt oder nicht.

Schnäppchen-Sucht

Meine Lieblingsmarke heißt „SALE“. Die roten Schilder mit den Prozent-Versprechen ziehen mich oft magisch an. Aufgerüttelt hat mich das Buch „Das Möbelhaus — Ein Tatsachenroman“, das eindrucksvoll beschreibt, wie sich die Rabattschlacht auf die Angestellten auswirkt. Ganz zu schweigen von denjenigen, die die Billigprodukte herstellen müssen. Allerdings weiß ich auch, dass die späteren Rabatte einkalkuliert werden. Nach dem passenden Weg für mein Konsumverhalten suche ich noch.

Unnütze Unverbindlichkeit

Dank der modernen Kommunikationsmittel haben wir es heute nicht mehr nötig, uns konkret abzusprechen. Man kann ja noch kurzfristig telefonieren, simsen, WhatsAppen etc. Das führt leider dazu, dass viele sich nicht mehr festlegt. Vielleicht auch, weil wir Generation-Y-Bürger ständig auf „etwas Besseres“ hoffen. Ich für mich habe beschlossen mehr Verbindlichkeit in meinem Leben zu etablieren. Schließlich freue ich mich auch, wenn ich bei anderen weiß: Dieses „Ja“ gilt.

Reaktionen reflektieren

Um meine Gewohnheiten ändern zu können, muss ich zunächst ehrlich reflektieren, was ich warum wie tue. Sich selbst zu hinterfragen ist nicht immer angenehm, schließlich kommt oft genug zum Vorschein, was man vielleicht lieber verdrängen würde: dass man Fehler macht. Doch nur wer erkennt, kann etwas ändern. Umkehren und neu Position beziehen. Dass es nicht immer leicht ist alten Gewohnheiten Lebewohl zu sagen, ist offensichtlich. Und es dauert, die alten Muster auszumerzen. Da ist Durchhaltevermögen gefragt. Außerdem ist meine Erfahrung, dass man immer wieder neue Gewohnheiten an sich entdeckt, von denen man sich gerne verabschieden will.


Verhaltensweisen werden durch ständige Wiederholungen irgendwann zur Routine. Das dauert laut einer britischen Studie aus dem Jahr 2009 durchschnittlich 66 Tage. Phillippa Lally und ihr Team vom University College in London hatten das herausgefunden, als sie Studenten mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren eine Aufgabe stellten: Sie sollten sich eine gesunde Routine aneignen und ihr an 84 Tagen hintereinander mindestens einmal täglich nachgehen. Auf einer Website sollten sie die Fortschritte täglich festhalten und angeben, ob sie der neuen Angewohnheit schon nachgingen, ohne darüber nachzudenken. Als die Forscher die Daten auswerteten, stellte sie fest, dass die Teilnehmer die neue Aufgabe im Schnitt nach 66 Tagen automatisch ausübten. Ein Tag Pause warf die Teilnehmer nicht entscheidend zurück, wenn sie sich jedoch häufiger eine Auszeit gönnten, wirkte sich das negativ auf den Automatismus aus.

Was willst du in deinem Leben verändern? Oder hast du es schon geschafft und hast Tipps für die Umsetzung auf Lager? Deine Ideen und Lösungsvorschläge interessieren uns sehr — also schick uns dein Statement an shiftback[at]shiftmag.de. Damit auch andere Leser von deinen Erfahrungen profitieren können, gibt’s die Beiträge zum Mitdiskutieren dann auch online.

Kathrin Ernsting (31) hat schon oft versucht, etwas zu verändern — manchmal sogar mit nachhaltigem Erfolg. Sich bewusst für Neues zu entscheiden hilft ihr dabei mehr als nur zu sagen „So nicht mehr!“. Oft genug rutscht sie aber auch wieder in alte Muster. Noch.

Bonustrack

Dieser Artikel ist einer von sechs Bonustracks zur gedruckten SHIFT-Ausgabe Vol. 4.